Kartoffel-Kuchen/Torten sind im 19. Jahrhundert gut belegt; Henriette Davidis führt Varianten mit Kartoffeln, Mandeln und vielen Eiern (dort mit Zucker) in ihrem „Praktischen Kochbuch“ – ein Standardwerk der bürgerlichen Küche, das diese Rezepte weit verbreitete.
Zucker fehlt in dieser Freisinger Vorlage; viele spätere Fassungen fügen Zucker zu, was den Geschmack süßer und die Krume zarter macht. Wer heutige Süße erwartet, kann 50–150 g Zucker ergänzen.
Die Verwendung von Kartoffeln auch in süßen Backwaren war um die Jahrhundertwende in ländlichen Regionen Mitteleuropas, besonders in Bayern, Österreich und Böhmen, verbreitet, wo Kartoffeln ein Grundnahrungsmittel waren. Dieses Rezept war typisch für die bürgerliche und bäuerliche Schicht, da Kartoffeln kostengünstig waren und die Torte durch Eier und Mandeln einen festlichen Charakter erhielt. Im Vergleich zu heute ist die Kartoffeltorte weitgehend in Vergessenheit geraten und wird selten gebacken, da moderne Rezepte eher auf Weizenmehl oder andere Grundlagen setzen.